Die Welt steht still
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Die Welt steht still und nicht nur Deutschland

Für viele vielleicht ein doofer Satz,

aber für mich fühlt es sich streckenweise so an. Das neue Jahr ist jetzt schon vier Wochen alt. Kapitel 1 von 12 schon wieder vorbei. Seit einem Jahr kämpfen wir mit dem Covid-19 Virus, den Mutationen und obwohl es einen Impfstoff gibt, scheint sich für uns nichts zu ändern. Die Welt steht still.

Hey ich will nicht jammern

oder noch so einen, von vielen tausend Blogeinträgen darüberschreiben. Ich weiß, dass es viele Menschen da draußen gibt, die das alles nicht ernst nehmen und meinen das es das Virus gar nicht gibt. Da frage ich mich echt, wie man auf sowas kommt. Klar ist es nervig, es geht schon so lange und immer wieder stehen wir vor dem Lockdown. Aber ist es nicht so, dass wir Menschen zum großen Teil selbst daran schuld sind, dass es nicht besser wird? Die Welt steht still.

Jeder hat seine Meinung,

 und das ist meine. Ich möchte auch über niemanden herziehen oder so. Wir haben alle unsere eigene Geschichte und eigene Meinung dazu. Ich aber sehe ständig Menschen, die sich nicht an die Regeln halten. Autos mit fremden Kennzeichen und das sind keine Firmenwagen. Leute ohne Maske im Laden oder auf dem Parkplatz. Warum? Wenn es das Virus doch nicht gäbe, weshalb haben wir denn so viel Tote.  Die Welt steht still.

Ich verstehe diese Menschen nicht,

die an all das nicht glauben und es nicht ernst nehmen. In meinem Umfeld ist ja auch so jemand, der sagt „er lässt sich nicht mehr verarschen“. Es ist ja nun nicht so, dass nur wir Deutschen leiden. Nein die ganze Welt tut es und die Welt steht still.

Nervt mich das Ganze nicht?

Doch klar tut es das, aber was soll ich denn machen. Zu ändern ist es nicht. Ich denke auch, würden alle mal an einem Strang ziehen, wäre es vielleicht schon ausgestanden. Aber nein, man muss ja demonstrieren oder jammern, dass man nicht in den Urlaub fahren darf. Es heißt ja schon, dass wenn die Zahlen weiterhin sinken, könne man über den Osterurlaub nachdenken. Ich verstehe es nicht. Die Welt steht still.

Ja gut, ich bin eh jemand,

der nicht ständig in den Urlaub kann, von daher juckt mich das auch nicht. Aber wäre es nicht sinnvoller, dass die Pandemie endlich mal ein Ende hat? Wir haben doch alle nichts davon, wenn wir alle paar Wochen wieder Lockerungen einführen, jeder macht was er will und am Ende gibt es wieder einen Lockdown. So viele Firmen stehen kurz vor der Pleite oder sind es schon und alle sind nur am Jammern, dass sie dies und jenes nicht dürfen. Die Welt steht still.

Ganz ehrlich,

ich finde es auch nicht toll, aber mich interessiert es nicht. Denn erstens erlaubt es mir meine finanzielle Lage nicht, hier oder dort hinzufahren oder sonst was zu machen.  Ich kann ja nicht mal mein Auto in die Werkstatt bringen, weil das Geld nicht da ist. Zweitens macht es mir nichts aus. Ja das kann ich auch nur sagen, weil ich trotzdem Leute um mich habe, nämlich meine Family. An manchen Tagen ist es sehr stressig für mich. Alles bleibt liegen, Homeschooling hier, Homeschooling da. Man möchte den Kindern helfen und mutiert zum Aushilfslehrer und ich für meinen Teil weiß nicht, ob ich das so richtig mache. Die Welt steht still.

Ich habe noch Glück,

meine Tochter braucht im Großen und Ganzen keine Hilfe. Dennoch gibt es auch bei ihr, Dinge die man ihr erklären muss. Ja warum auch nicht, unsere Kinder sind ja nicht allwissend auf die Welt gekommen. Das schlaucht, denn viele Dinge muss man sich ja selbst erst wieder annehmen und auch wenn ich das, letztes Jahr schon hatte, ist mein Gehirn nicht mehr so, dass es alles behält und ich das im nächsten Jahr noch weiß. Wenn ich das Thema hatte, ist es erledigt und wird auch nicht abgespeichert in meinem Hirn. Dafür ist zu viel los in meinem Kopf. Die Welt steht still.

Mein Sohn, in der Lehre,

hat jetzt das erste Mal Berufsschule auch zu Hause. Wie soll man da helfen können? Es ist wie gesagt nicht einfach an manchen Tagen. Der ganze Wochenrhythmus ist dahin. Die Kinder sind zu Hause, machen täglich ihre Aufgaben, ich helfe wo ich kann. Dennoch fühlt es sich für mich falsch an. Meine Kinder stört es nicht, dass sie zu Hause sind. Das ganze Leben ist aber durcheinander. Dadurch das sie immer da sind, ist mein Rhythmus auch komplett durcheinander. Man will ja schließlich auch für die Kinder da sein und sich mit ihnen beschäftigen, sofern sie das wollen. Es ist ja sonst an sozialem Leben nicht viel los. Meine Me Time geht aber dabei verloren. Jetzt sagen viele, ja nimm sie dir doch. Alle die Kinder haben, wissen das die Kinder vorgehen. Die Welt steht still.

Zumal meine Kinder ja auch in einem Alter sind,

wo man nehmen muss, was man von ihnen kriegt. Meine Tochter, 13 zum Beispiel ist voll in ihrer pubertären Phase. Sie will viel alleine sein und ihr Kram machen. Trotzdem verbringen wir die letzten zwei Wochen oder so, viel Zeit miteinander und ich genieße das, obwohl ich ein Haufen anderes Zeug zu tun hätte. ABER ich weiß genau, dass das von jetzt auf gleich wieder vorbei sein kann und deshalb nehme ich diese Zeit mit und alles andere schiebe ich irgendwie dazwischen. Versteht hier irgendwer, was ich meine? Ich hoffe es doch. Die Welt steht still.

Ich sehe immer viele junge Mütter,

die genervt von ihren kleinen Kindern sind. Verständlich, ich habe das auch durch. Meine werden aber so langsam erwachsen und die Zeit rennt so schnell, dass ich schon darüber nachdenke, wie es ist, wenn sie nicht mehr da sind und ihre eigenen Wege gehen. Der Große ist 17, geht arbeiten und verhält sich immer mehr wie ein Erwachsener. Okay, er macht noch keine Anstalten ausziehen zu wollen, aber wie schnell kann das gehen. Ich fühle mich manchmal so alt, wenn ich meine Kinder sehe, bin aber total stolz, da ich sehe, dass ich es gut gemacht haben und aus ihnen was geworden ist. Die Welt steht still.

Jetzt bin ich ein wenig abgeschweift,

aber das kennt ihr ja von mir. Danke, dass ihr es trotzdem lest. Ich finde es nur menschlich und man muss oder sollte auch über solche Themen schreiben können. Es muss nicht immer über ernste und tiefgehende Themen gehen. Ich bin eine Frau, mit Familie und den Kopf voll mit zig Gedanken, die verarbeitet werden wollen. Wenn ich das Chaos mit euch teile, ist das für mich nur menschlich und authentisch. Gerade in dieser Zeit, wo man nicht dauernd mit irgendwem quatschen kann. Dann müssen diese Gedanken eben mal raus. Die Welt steht still.

Manchmal denke ich drüber nach,

wie es sich wohl für Leute anfühlen muss, die alleine sind. Ich habe dauernd Menschen um mich rum und trauere an manchen Tagen meiner Me Time hinterher, aber die Leute die wochenlang, monatelang alleine zu Hause sind, was ist mit denen? Wir Menschen, sind ja eh schon alle irgendwie am Durchdrehen und haben einen Coronakoller. Alle sind genervt, schlecht drauf und unmotiviert. Ich kanns verstehen, aber denkt mal irgendwer an die ganzen Menschen die, Tag für Tag alleine sind? Wie fühlt ihr euch da draußen und wie kommt ihr durch diese Zeit? Die Welt steht still.

Gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen,

aber auch die, die gesund sind. Alle meckern und schimpfen über den xten Lockdown, so wie wir Deutschen nun mal sind. Meckern über alles und jeden. Ich wäre gern mal allein nur für mich, gleichzeitig sage ich aber auch, dass ich das nicht lange aushalten würde. Ich habe gehört, dass viele Alleinstehende gerade durch das ständige zu Hause bleiben depressiv werden. Wer hilft denen? Seid mal ehrlich, keiner denkt an die Leute die schon solange alleine zu Hause sind. Mir tut das weh und ich mache mir Gedanken über sowas. Die Welt steht still.

Warum?

Erstens habe ich ständig Gedanken in meinem Kopf. Was da immer los ist, glaubt mir keiner. Ich versetze mich halt in die Lage der anderen. Seit meinen Diagnosen, bin ich was das angeht sowieso anders drauf. Ich stecke niemanden mehr in Schubladen oder lästere mit, weil andere es tun. Jeder hat seine Geschichte und nicht jeder will vielleicht darüber reden und sich öffnen. Das ich aber deshalb Menschen in eine Schublade stecke, nein. Am Wochenende, saß ich auf meinem kuschligen Sofa, mit zwei Decken (trotz Heizung), einem Rotwein und dachte an die armen Obdachlosen, die bei der Kälte draußen sind und nicht mal Geld haben, um sich ne Pulle Schluck zu holen, dass ihnen warm wird.  Die Welt steht still.

Da sind sie wieder,

die kleinen Dinge, auf die man viel zu selten achtet. Genau das sollten wir alle viel öfter tun, anstatt zu schimpfen, was wir alles gerade nicht können oder dürfen. Her Gott, wir haben nen warmen Arsch, was zu Essen und unsere Lieben um uns rum. Es könnte viel schlimmer kommen. Also hört das Schimpfen auf und nehmt euch mal ne Minute Zeit und denkt an die Leute, die schon ewig alleine zu Hause hocken oder die, die bei diesen Temperaturen draußen schlafen müssen. Wir haben so viel, vergessen es immer nur.

Die Welt steht still

und nicht nur Deutschland. Haltet durch und seid achtsam. Denkt immer daran, es gibt so viele Menschen da draußen, die gerade jetzt noch mehr leiden. Frauen und Kinder die mit häuslicher Gewalt zu tun haben, Kinder die bei ihren suchtkranken Eltern aushalten müssen. Depressive Menschen, die ganz allein sind und irgendwie nur versuchen zu überleben. Ich könnte noch viel mehr aufschreiben, aber Google hilft euch da auch.

Was ich sagen will, seid achtsam, hört zu und seid für die Menschen da, wenn sie was sagen wollen. Schreibt mir, wie ihr damit umgeht, wie ihr euch fühlt. Lasst uns gemeinsam aushalten und nicht durchdrehen.

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