Meine Schwester
talk about it

Meine Schwester…

Es war einmal die Zweite.

Ja, heute geht es um Familie. Der Spruch „Blut ist dicker als Wasser“ scheint nicht zu stimmen, zumindest nicht bei mir. Meine Schwester und ich haben schon seit anderthalb Jahren keinen Kontakt. Familie ist schwer, war bei mir schon immer so, aber nach der Geschichte konnte ich nicht mehr.

Ich bin ein Mensch,

der immer für andere da ist, hilft wo er kann oder wie nannte es meine Therapeutin „ich mache alles damit niemand böse auf mich ist“. Naja egal, ich bin halt wirklich da, will helfen sofern man mich lässt. Das ich dabei immer mich selbst vergesse, ist ein anderes Thema. Ich weiß nur, wenn jemand um Hilfe ruft, bin ich da. So wollte ich es auch bei ihr tun, meine Schwester.

Wenn jemand was will oder fragt,

funktioniere ich. Auch wenn ich was anderes vorhabe, sobald jemand kommt und fragt, fängt mein Gehirn an zu arbeiten und plant alles um, nur damit ich dem anderen helfen kann. Sagen wir so, meine Schwester und ich hatten schon immer Probleme. Ich kann nicht genau sagen weshalb, ist mir mittlerweile auch egal, da ich erkannt habe, dass es für mich gesünder ist, den Kontakt abzubrechen.

Wieso?

Naja, wie gesagt wir hatten schon immer Probleme, ob es um die Familie ging, die Männer in unserem Leben, irgendwas war immer. Ich bin die, die eigentlich immer für meine Schwester da war. Egal, ob mein Vater meine Mutter verprügelt hat, oder ich sie zur Schule bringen musste oder sonst was. Na egal, das ist alles lange her.

Es ist jetzt fast 2 Jahre her,

als ich etwas erfuhr von ihr (ich will das jetzt nicht unbedingt schreiben), was sie sehr verletzt hat. Ich wollte ihr helfen, wie ich es immer tat, schließlich ist/war sie meine Schwester. Auch wenn ich feststellte, dass ich die Letzte war, die es erfuhr und ich enttäuscht war darüber wollte ich helfen. Sie sagte aber, ich solle mich raushalten, sie wolle nicht darüber reden und muss selbst erstmal damit klarkommen.

Wisst ihr was,

dass war das erste Mal, dass ich es getan habe. Ich habe mich rausgehalten, ich habe nicht nachgefragt, ich habe exakt das gemacht was sie wollte. Denn meine Schwester sagte, sie wolle nicht reden und sie wolle auch nicht, dass man sie ständig fragt, wie es ihr geht und so weiter. Okay, da es wirklich sehr schwerwiegend war, habe ich sie in Ruhe gelassen. Ja, ich gebe zu ich habe es nicht verstanden und war wütend. Nicht wütend auf sie, aber wütend auf diese Sache, die ihr passiert war. Ich verstehe es ja bis heute nicht. Auch wenn wir keinen Kontakt haben, hört man ja doch einiges.

Also zum ersten Mal,

in unserem Leben, hielt ich mich einfach raus. Und was war das Ende vom Lied? Wir sahen uns, wir haben geredet, auch wenn es schwer fiel, sie nicht anzusprechen. Es wirkte immer alles so gestellt, so wie Pflichtbesuche, die man abarbeiten musste und dadurch das man nicht fragen durfte, war es eh immer sehr angespannt, also für mich zumindest. Meine Schwester war ja schon immer so, alles ist schön, alles ist toll. Bei niemandem ist alles toll, dass kann mir keiner erzählen.

Naja irgendwann kam es dann wie es kommen musste.

Nein das ist Schwachsinn, ich habe es nicht wirklich kommen gesehen. Irgendwann warf sie mir dann um die Ohren „Ich weiß, wer in der harten Zeit für mich da war, wer zu mir gestanden hat und wer mit dir da durchgegangen ist“. Ich wusste in dem Moment gar nicht wie mir geschah. Meine Schwester wollte, dass ich nicht frage, nicht nerve und einmal in meinem Leben, habe ich das getan was sie wollte und habe mich rausgehalten und dann knallt sie mir um die Ohren, ich wäre nicht für sie da gewesen.

Ich meine ECHT JETZT?

Keine Ahnung, ich weiß bis heute nicht, was in sie gefahren ist. Die ganzen Entscheidungen, die sie traf beziehungsweise was ich so mitgekommen hatte, habe ich eh nicht nachvollziehen können. Aber okay, es ist ihr Leben und wenn sie meint, sie kann damit leben und muss sich sowas antun, bitte dann soll sie es tun. Meine Schwester war schon immer, hmmm wie soll ich sagen? Anders, oder vielleicht genauso wie die Gesellschaft, sich Menschen vorstellt. Immer nett und freundlich, sich so verhalten das alle einen mögen, dass man reinpasst.

Das habe ich auch gemacht,

bis ich 2018 zusammengebrochen bin und mir meine Therapeutin sagte „Hey, verdränge nichts, sprich es aus und sei du selbst“. Ha, jetzt 7 Jahre später, ist der Kampf immer noch nicht ausgestanden, denn „sei du selbst“ ist in dieser Welt verdammt schwer. Es sagt sich immer leicht, aber in diesen 7 Jahren habe ich vieles gelernt, bin durch Höhen und Tiefen gegangen, habe sämtliche verdrängte Traumata endlich ausgesprochen und an ihnen gearbeitet und was habe ich daraus gelernt?

Das kann ich euch sagen.

Denn als ich mich anfing zu verändern, nein zu sagen und nicht mehr alles das tat, nur damit andere nicht böse auf mich sind, habe ich eines gemerkt. Die Leute um dich rum, haben riesen Probleme, wenn du auf einmal nicht mehr so funktionierst, wie sie es gewohnt sind. Da war mein Mann, mein bester Freund und eben auch meine Schwester.

Es heißt ja immer,

Kritik einstecken kann nicht jeder, ich auch nicht gebe ich ehrlich zu. Ich kenne auch niemanden, der das wirklich kann, auch meine Schwester nicht. Dann sagte ich ihr meine Meinung zu dem ganzen Drama, was sich bei ihr zu Hause abspielte. Ja ich habe auch zu ihr gesagt, vielleicht sollte sie auch mal eine Therapie in Erwägung ziehen, denn auch sie hat damals den ganzen Mist, mit unseren Eltern und so weiter mitbekommen. Nur ist es so, dass viele Menschen immer noch in dem Glauben sind, wenn man eine Therapie macht, ist man ja nicht ganz dicht.

Was habe ich als Antwort auf meine ehrlichen Worte bekommen?

„Du brauchst dringend eine Therapie. Das ist echt krank.“ Meine Schwester, für die ich immer da war, die ich immer beschützt habe, wenn mein Vater meine Mutter schlug, um die ich mich immer gekümmert habe oder wie es meine Therapeutin nannte, ich musste zu schnell erwachsen werden, weil ich auf meine kleine Schwester aufpassen musste. Da war für mich der Punkt erreicht, wo ich gesagt habe, bis hierher und nicht weiter.

Mein ganzes, verfluchtes Leben wurde geprägt,

durch all den Mist. Ich habe immer zurückgesteckt, dass es ihr gut ging. Alles habe ich aufgearbeitet und dann knallt sie mir das auch noch um die Ohren. Dann habe ich eine Entscheidung getroffen, die ich bis heute nicht einmal bereut habe. Ja es klingt hart, denn sie ist/war ja meine Schwester. Aber sie kann mit Familie nur was anfangen, wenn sie tot sind. Dann ist sie da und steht am Grab und heult. Wenn die Menschen am Leben sind, sind sie nicht gut genug für sie. So war es bei meiner Mom, meiner Oma und meinem Vater auch. Egal, ich habe den Kontakt abgebrochen. Habe sie blockiert, ich will es nicht mehr und ich muss sagen, es hat mir gutgetan. Fast möchte ich sagen, es war wie eine Befreiung. Ja ich weiß klingt hart, aber ich war auf einmal nicht mehr für sie zuständig. Der Klotz am Bein (oh Gott das klingt furchtbar), war weg. Sie ist erwachsen, sie hat ihr Leben, ich meines, sie muss alleine dadurch.

Es heißt ja immer,

trenne dich von den Dingen/Menschen die dir nicht guttun und in meinem Fall, war es die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Ja, ich weiß, aber sie ist/war doch meine Schwester, wie kann ich nur. Aber diese Entscheidung war gut für mich. Warum ich das dann schreibe? Ganz einfach, weil es mal wieder ums Erbe geht und mein Halbbruder mich deswegen anschreibt und ich in naher Zukunft meine Schwester wohl wiedersehe und es raus aus meinem Kopf muss. Ich vermisse sie nicht, mir fehlen die oberflächlichen Gespräche nicht, es ist einfach gut so wie es ist. Kein schlechtes Gewissen mehr, keine Gedanken, dass ich nie gut genug in der Familie war. Kein Drama, einfach RUHE.

Immer wieder habe ich gekämpft,

denn sie ist/war ja meine Schwester und Familie. Denn Familie gibt man ja nicht auf oder? So heißt es doch, aber ich habe es aufgegeben. Meine Kinder sind groß, wenn sie mit ihrer Tante Kontakt haben wollen, können sie es. Ich schreibe es ihnen nicht vor, ist ja schließlich ihre Tante. Sie wollte es nie und ich will und kann es auch nicht mehr. Ich bin es leid, ich bin müde, um Menschen zu kämpfen, die mich nicht in ihrem Leben haben wollen. Es ist einfach besser so. Gesünder und stressfreier, Familie hin oder her. Unsere Familie war sowieso noch nie wirklich Familie, also was solls.

Das Leben geht weiter.

Ich bin 47 Jahre alt und ich habe keinen Bock mehr, keinen Nerv mehr, auf Stress und Drama. Irgendwann habe ich es auch verdient glücklich zu sein und vor allem ich selbst zu sein und wenn es anderen nicht passt so wie ich bin, dann ist das ebenso. Sie sollen nur nicht Menschen, die in Therapie sind oder waren, erzählen die bräuchten eine Therapie oder dass man krank ist oder bekloppt, nicht ganz dicht. Denn Menschen, die in Therapie sind oder waren, wissen das ganz genau, sie wissen das etwas nicht stimmt. Genau deswegen sind sie ja in Therapie. Traurig nur das sie meistens in Therapie sind, wegen Menschen, die selbst mal eine bräuchten. So das war mein Schlusswort für heute.

Habt ihr sowas auch schon durch? Wenn ja wie geht ihr damit um, wie fühlt ihr euch dabei? Schreibt es mir!

P.S.

Hiermit möchte ich darum bitten, etwaige Rechtschreibfehler NICHT zu kommentieren. Ich bin auch nur ein Mensch, ich mache Fehler. Das ist kein Makel, sondern menschlich.

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