Wo ist das Jahr geblieben?
dear diary

Wo ist das Jahr geblieben?

Mein Arzt scheint meine Muse zu sein. 😉

Denn jedes Mal, wenn ich dort sitze und darauf warte das die Sprechstunde beginnt, fange ich das Schreiben an. Meistens ist es so, dass ich in der Zeit wo ich warte einen ganzen Blogbeitrag zusammen bekomme. Der wird dann zu Hause noch mal gelesen, bearbeitet und fertig. Da ich momentan eine Prepaidkarte habe, die aktuell nicht aufgeladen ist, kann ich auch unterwegs nicht bei Instagram surfen oder sonst was machen. Also sitze ich wie jeden Monat, irgendwie immer ängstlich beim Arzt und fange mit dem Schreiben an. Während ich dann so am Schreiben bin, frage ich mich die ganze Zeit, wo ist das Jahr geblieben? In zwei Wochen ist Weihnachten, eine Woche später Silvester und schwupp ist es vorbei, das Jahr.

Wo ist das Jahr geblieben?

Es war doch gerade erst Frühling. Wir haben doch den Pool erst fertig. Was haben wir geschwitzt. Die Temperaturen waren ja wieder heftig und der Regen auch. Was ist sonst passiert in diesem Jahr? Am 26.11.19 war ich ein Jahr schon online mit meinem Blog. Wahnsinn. Wo ist das Jahr geblieben? Ich habe mir vieles von der Seele geschrieben. Das hat meinen immer denkenden Kopf frei gemacht. Sich alles von der Seele zu schreiben und mal wirklich alles raus lassen tut wahnsinnig gut. Mir zumindest. Ich habe ja solange alles in mich hineingefressen und jetzt merke ich, dass ich mich hätte gar nicht solange verstecken sollen. In diesem Jahr habe ich viele liebe Leute kennengelernt, vor allem bei Instagram. Wenn ihr mir folgen wollt, findet ihr mich unter @fourfrozens 😉.

Dort habe ich gemerkt,

wie viele es von uns doch eigentlich gibt. So viele, die leiden und ähnliches oder dasselbe durch machen. Viele Leute die sich zurück ins Leben kämpfen oder gekämpft haben und ihre Erfahrungen mit uns teilen. Da ja psychische Krankheiten scheinbar noch ein Tabuthema sind und von den Normalos schwer ernst genommen oder nicht verstanden, finde ich das toll. Das viele Menschen sich finden, sich austauschen und wir dadurch merken das wir nicht allein sind. Mir hilft das wahnsinnig. Vor allem am Anfang. Denn da dachte ich wirklich, ich bin allein auf dieser Welt, mit diversen Problemen. Ich habe mich geschämt dafür, dass ich zusammengebrochen bin und nicht mehr funktioniert habe.

Depressionen, Angststörung, PTBS

und was weiß ich noch flog mir um die Ohren. Dauernd fragte ich nach dem warum. Warum ich? Wieso diese Diagnosen? Ich fühlte mich doch eigentlich nur massiv gestresst und war höchst empfindlich. Fast alle Menschen waren mir zu wieder und sind es teilweise noch. Ich wollte nicht mehr raus, nichts mehr tun, mich einfach nur verkriechen. Vor allem wollte ich verstehen, was denn mit mir los ist. Denn diese angebliche, immer starke Frau als die ich immer betitelt worden war, gab es auf einmal nicht mehr. Ich schämte mich dafür, schwach zu sein. Nicht mehr zu funktionieren. Schämte mich dafür, dass ich nichts mehr hingekriegt habe, selbst die einfachen Dinge wie einkaufen, waren mir zu viel und sind es teilweise noch.

Mein Kopf war so voll.

  Meine Gedanken drehten sich nur darum, was wohl die anderen denken. Halten sie mich jetzt für einen Psycho? Bin ich irre? Es war eine harte Zeit und ist es noch. Ich behaupte zwar, dass ich für mich einige Fortschritte gemacht habe, aber es ist noch nicht perfekt. Einkaufen oder woanders hin, kann und will ich immer noch nicht alleine. Die Angst ist zu groß, ich fühle mich einfach sicherer, wenn jemand dabei ist.

Für mich der größte Fortschritt ist,

dass es mich nicht mehr so extrem interessiert was andere von mir denken. Ich habe mich bewusst zurückgezogen, um auch zu sehen, wer meine wahren Freunde sind. Glaubt mir eins, wenn ihr psychisch nicht gesund seid, merkt ihr es zuerst an eurem Umfeld. Mir ist nicht viel von meinem Umfeld geblieben. Am Anfang hat es mich geärgert. Denn meine angeblichen Freunde hat es nicht interessiert. Heute bin ich froh darüber, dass ich die Entscheidung des Zurückziehens getroffen habe. Denn die, die mir geblieben sind, die halten zu mir. Das ist das wichtigste für mich und mehr braucht man nicht.

Was habe ich von zig Freunden,

wenn sie nur Freunde sind, wenn man gesund ist? Richtig gar nichts. Mir ist klar geworden, dass ich mich nicht mehr für andere verstellen will, nur damit sie mich mögen. Entweder man nimmt mich so wie ich bin, mit all meinen Seiten oder man lasst es eben bleiben. Diese Erkenntnis war nicht einfach, aber wenn man soweit ist, ist es absolut befreiend.

Ich bin stolz darauf.

So traurig wie es irgendwie auch ist, denn viele sind wirklich nicht übriggeblieben. Aber so glücklich und befreiend macht es auch. Tut mir bitte alle den Gefallen und verstellt euch nie mehr für andere. Das ist es nicht wert. Ihr seid wichtig. Diesen Satz lese ich sooft und er ist so wahr. Nehmt die, die auch in schlechten Zeiten für euch da sind und so krass wie es auch klingt, aber entsorgt die anderen. Denn diese Menschen tun dir nicht gut. Wenn man das verstanden hat und zu sich selbst steht und nicht mehr darauf achtet, dass man möglichst viele Freunde hat, sondern -wenn auch wenig- richtige Freunde hat. Falsche Freunde, die sich nicht die Mühe machen, dich und deine Krankheit zu verstehen und nur für dich da sind, wenn es dir gut geht, braucht kein Mensch. Damit geht es einem viel viel besser. Das zu verstehen und sich einzugestehen braucht viel Zeit, aber es wird dir sehr helfen. Wieder die Frage: Wo ist das Jahr geblieben?

Mir hat es geholfen.

Jetzt zur Adventszeit ist es mir aufgefallen. Dadurch, dass ich eine neue Telefonnummer habe und alle Menschen, die mir nicht gut taten meine neue Nummer nicht geschickt habe. Ich habe nur noch wenige, denen ich einen schönen Advent sende. Denen aber wünsche ich es von Herzen. Früher hatte ich zig Leute, denen ich geschrieben habe. Aus Freundlichkeit, in der Hoffnung sie mögen mich oder mit den Gedanken, dass ich viele „Freunde“ habe. Jetzt weiß ich, es waren keine Freunde. Es waren nur Menschen, Nummern die ich gesammelt habe, damit es ja nach vielen Freunden aussah. Dann bin ich krank geworden. Wo sind sie die angeblichen Freunde? Keiner mehr da, also habe ich ausgemistet und mir geht es um so vieles besser.

Diese Erkenntnis braucht wirklich einen Menge Zeit. Hat bei mir ja auch ein knappes Jahr gedauert.

Wo ist das Jahr geblieben?

Ich für meinen Teil, kann jetzt aber sagen, dass war das Beste was ich tun konnte. Für die sozialen Kontakte vielleicht nicht die beste Entscheidung, aber für mich selbst schon. Kein Verstellen oder sich so geben müssen, dass die Leute dich mögen und es im Enddefekt sowieso nicht tun. Hinter deinem Rücken über dich reden und man sich fragt, warum hat man sich das angetan. Warum lässt man sich sowas gefallen? Ich meine es gibt genug Menschen von dieser Sorte, aber warum will man denen gefallen? Menschen, die scheinbar schon morgens aufstehen, mit dem Gedanken, wenn kann ich heute wieder fertig machen. Wie kann man so sein? Haben die so ein geringes Selbstwertgefühl, dass sie sich nach außen so geben müssen? Oder tun sie es auch nur, um anderen zu gefallen? Ich kann diese Frage nicht beantworten.

Eines weiß ich aber sicher,

ich will mit solchen Menschen nichts mehr zu tun haben. Solche Menschen machen mich krank und ich habe keine Lust und keinen Nerv mehr, mich ständig zu hinterfragen, ob es an mir liegt. Denn scheinbar ist in unserer Gesellschaft so ein Verhalten zur Normalität geworden. Schlimm finde ich, dass wir sogenannten „Psychos“ uns der Gesellschaft anpassen sollen. Wir sollen lernen mit solchen Menschen umzugehen. Warum lernen die sogenannten „Normalos“ nicht mit uns „Psychos“ umzugehen? Durch solche Menschen wird man doch erst krank.

Da fragt man sich,

ob es nicht sinnvoller wäre die „Normalos“ zu Therapie zu schicken, um zu lernen wie man mit Menschen umgeht. Zu lernen, dass Mobbing, Machtmissbrauch oder Missbrauch Menschen kaputt macht. Lernen mit Menschen umzugehen und ganz wichtig mit sich selbst klar zu kommen. Denn ich glaube nicht, dass diese Menschen so behandelt werden wollen. Wie geht noch gleich der Spruch? Was du nicht willst, was man dir tut, füge auch niemand anderen zu? Leider halten sich die wenigsten daran. Vielleicht sollten wir mal alle „Normalos“ zur Therapie schicken, was meint ihr? Es kann ja nicht sein, dass wir uns immer anpassen und lernen sollen, wenn die Welt und die Menschen da draußen sich nicht ändern. So wird es nie besser. Ja ich weiß, das klingt alles böse und verbittert. Soll es aber nicht. Ich würde mir eben nur wünschen, dass sich die „Normalos“ mal fragen, warum sie so sind und andere Menschen verletzen. Nein es liegt nicht an uns, so viele müssen immer irgendwelche Grausamkeiten von anderen ertragen. Es geht also nicht nur mir so. 

Also befreit euch von Menschen, die euch nicht gut tun, denn ihr seid wichtig, nicht die anderen!

Und… wo ist das Jahr geblieben?

Ich wünsche euch von Herzen eine schöne Adventszeit und freue mich wie immer, wenn ihr eure Erfahrungen und Gedanken mit mir teilt. 😘❤

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