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Warum immer wieder???

Ich habe gerade Law and Order SVU gesehen (ja, ich bin ein Serienjunkie).

In Staffel 18 gibt es eine Folge die „Der Skorpion“ heißt. Dort geht es um sexuelle Übergriffe an Frauen. Klar, es wird in Serien meist aufgebauscht, aber bei mir kam gerade alles wieder hoch. Es lief wieder wie ein Film ab und ich bin stinksauer, auf die Kerle und vor allem auf mich.

Warum um alles in der Welt gerate immer ich an solche Kerle?

Das zieht sich schon durch mein ganzes Leben. Was mache ich falsch? Es ist egal ob ich fett bin (ich habe nichts gegen Menschen, die fülliger sind – sorry- ich bin grad nur so aufgewühlt und schreibe über meine Gefühle) oder schlank. Egal wie ich aussehe, immer wieder ziehen sich solche Kerle durch mein Leben. Was für Kerle? Kerle die meinen, die können Frauen ausnutzen. Kerle die meinen, die können Frauen begrapschen oder gar schlimmeres und denken sie kommen damit durch. Ja verdammt noch mal kommen sie ja auch. Denn ich bin auch so eine, die den Mund nicht aufkriegt und was sagt und das schon mein ganzes Leben.

Als Kind wurde ichsexuell missbraucht, ich habe nichts gesagt. Ich wurde einmal fast vergewaltigt und einmal wurde ich vergewaltigt und ich habe es nie jemandem erzählt. Bei einigen Jobs die ich hatte wurde ich sexuell belästigt, begrapscht, verbal fertig gemacht.

Warum immer wieder ich?
Was stimmt mit mir nicht?
Mein Elternhaus war, wie ihr wisst nicht das Beste.

Alkohol und häusliche Gewalt gegenüber meiner Mutter lagen an der Tagesordnung. Ich habe immer in Angst gelebt. Ich wurde von Klassenkameraden gemieden, hatte wenig Freunde. Hauptsächlich wegen deren Eltern. Diese verboten ihren Kindern sich mit mir zu treffen, weil ja meine Eltern Alkis waren – ja da kann ja ich als Kind auch was dafür. Wenn ich einen Freund hatte, konnten in 99% der Fälle, seine Eltern mich nicht leiden, denn meine Eltern waren ja Alkis. Ich wurde seit jeher schon immer verurteilt für Dinge, für dich ich nichts konnte. Durch meine Eltern habe ich viel auf meine kleine Schwester aufgepasst, hatte ganz wenig Freunde, geriet auf der Suche nach etwas Aufmerksamkeit oft an Männer die nur Sex wollten und nicht mich. Aber, ich hatte Aufmerksamkeit, für einen kurzen Moment.

Leider habe ich erst viel zu spät gemerkt,

dass mir das, nicht das bringt was ich möchte. Ich wollte gemocht werden, so wie ich bin, ohne mich verstellen zu müssen und vor allem ohne verurteilt zu werden, wegen meinen Eltern. Auf der Suche danach, habe ich Dinge getan, die ich bis heute bereue. Ich schlief mit Männern, nur um einen kurzen Augenblick das Gefühl zu haben, ich werde gemocht.  Dadurch verlor ich auch meine erste große Liebe. Er war damals auch nicht unschuldig und wir waren jung, aber trotzdem. Eine weitere Beziehung, die mir damals wirklich unter die Haut ging, zerstörte ich, in dem ich meinen Freund, mit dessen besten Freund, der auch noch der Freund meiner Schwester war betrog. Ich habe gelitten, monatelang.

Das war sch****, dass weiß ich.

Schlimm fand ich, dass nur ich dafür verurteilt wurde – er nicht. Darunter habe ich sehr lange gelitten. Das ging so weit, das ich mir irgendwann mein Arme aufritzte und mich die Polizei mitten in der Nacht fand. In dieser Nacht brachten sie mich in die „Klappsmühle“, wo ich Gott sei Dank nur eine Nacht verbringen musste. Ich habe in dieser Nacht die Polizei angefleht mich gehen zu lassen, aber es war nichts zu machen. Am nächsten Morgen musste ich dort mit der Therapeutin sprechen. Ich habe ihr gesagt, dass ich es nie wieder tun werde und ich durfte wieder raus. Nach diesem Erlebnis schwor ich mir, nie wieder für einen Kerl so einen Scheiß zu machen.

Das war mir eine Lehre.

Wieder zuhause angekommen, bin ich zu meinen „angeblichen“ Freunden und Schwester gefahren und sie hatten allesamt nichts Besseres zu tun, als sich über mich lustig zu machen, dass ich in der „Klappse“ war. An der Stelle, gab es einen Cut, ich packte meine Sachen und fuhr für ein paar Wochen zu meiner besten Freundin. Weg von all den schlechten Leuten, einfach weg aus der Umgebung, weg von allem. 

Trotzdem gerate ich immer wieder noch an so Kerle.

Egal wieviel Zeit vergeht, egal wieviel ich verdränge, egal wieviel ich vergessen will, es holt mich immer wieder ein. Ein angeblicher Freund vergewaltigt mich, ein damaliger Arbeitskollege, der der Vater eines Klassenkameraden war, begrapscht und küsst mich während der Arbeit. In meinem letzten Job, wurde ich in 4 ½ Jahren von fünf Männern belästigt und begrapscht. Wenn ich nicht so funktioniert habe, wie es sollte wurde ich verbal fertig gemacht. Ich war/bin neu, ich habe keine Rechte und erst recht nichts zu sagen. Wenn ich meinen Job behalten will, halte ich meine Klappe.

Ein Exfreund, hat mich in einem Wutanfall an die Wand gedrückt und gewürgt.

Jahre später tat das gleiche mein Vater, ja mein Vater. Durch mein ganzes Leben ziehen sich Männer, die brutal sind und ihre Macht den Frauen gegenüber beweisen wollen. Die grapschen, tatschen und schlimmeres tun.

Warum immer wieder ich?

Ich gebe mir selbst die Schuld. Das soll ich nicht, dass weiß ich. Aber ich tue es. Warum habe ich nie was gesagt? Bei all diesen Erlebnissen, sind einige dabei, wo ich was gesagt habe. Nie hat mir jemand geglaubt. Durch meine Männergeschichten damals nicht und eben, weil ich aus einer Familie von Alkis komme. Man hat mir noch nie geglaubt. Meine Oma hat mir damals nicht geglaubt, was für ein Schläger ihr Sohn ist. Was er tut, wenn er sich nicht mit unter Kontrolle hatte, im Suff. Meine Ex-Schwiegermutter, meine „Freundinnen“, niemand hat mir damals geglaubt, dass er mich gewürgt hat. Obwohl seine Ex davor, dass immer schon gesagt hat. Wir haben ihr damals nicht geglaubt, danach tat ich es. Dann die Sache mit der Vergewaltigung, da habe ich erst recht nichts mehr gesagt.

Was ist mit der Vergewaltigung?

Ich habe noch nie darüber richtig gesprochen. Früher hatte ich einige Bekannte, mit denen wir uns am Wochenende immer trafen. Mädels und Jungs gleichermaßen, zwar auch ein gewisser Altersunterschied, aber das machte nichts, denn es war immer lustig. Da unsere Dörfer nie weit auseinander lagen sind wir immer mit den Rädern hin und hergefahren. Auch mal mit dem Auto, dann haben wir aber dort übernachtet. Es war wieder so ein Wochenende, allerdings blieb ich dieses Mal alleine über Nacht bei einem Kumpel. Ich hatte mir nichts dabei gedacht, war ja nicht das erste Mal.

Irgendwann, ich schlief auf dem Sofa

bemerkte ich, dass jemand über mir und in mir war. Ich muss wohl unter Schock gestanden haben oder solche Angst gehabt haben, dass ich mich nicht rührte, nichts sagte und es über mich ergehen ließ, aus Angst, dass wenn ich einen Mucks mache es schlimmer ausgehen könnte. Am nächsten Morgen, bin ich aufgestanden, hab nur das Nötigste gesagt und bin dann nach Hause gefahren und das wars dann für mich. Ich habe nie mit jemandem darüber gesprochen.

Wochen später erfuhr ich,

dass eine Freundin aus dieser Gruppe mit ihm zusammenkam und ihr wurde von anderen zugeflüstert, dass das Gerücht umging, dass dieser Typ wohl schon öfter Frauen angefasst bzw. vergewaltigt haben soll. Gesagt habe ich aber weiterhin nichts. Ich hatte aufgegeben, mir hat nie einer geglaubt. Zumindest hatte ich immer das Gefühl, dass das so war. Warum also drüber reden? Es bringt nichts, es hilft dir eh keiner.

Ich war immer die Außenseiterin,

wegen meiner Eltern, gehörte nie richtig dazu. Am Ende war ich nur noch die Schlampe, die so enden wird, wie ihre Eltern. Jeder hat mich verurteilt, keiner hat mal gefragt warum. Ich bin die Böse. Schon immer und wenn man das oft genug hört, glaubt man es irgendwann selbst. Und es stimmt. Ich bin böse, alles was schief läuft in meinem Leben ist meine Schuld. Ich bin böse und mache alles kaputt. Nachdem ich das jahrelang immer wieder von meinen Eltern, meiner Schwester und anderen Leuten gehört habe, soll ich jetzt anfangen positiv zu denken?

Jetzt soll ich denken, dass ich gut bin?

Ich soll stolz auf mich sein?

Aber wieso?

Ich bin doch die Schlampe, die alle Kerle an sich ranlässt. Nie hat einer hinterfragt, ob ich das auch will/wollte. Ja ich flirte gern und ja ich bin ein freundlicher Mensch. Schon fang ich wieder an mich zu entschuldigen. Nur weil ich nett und freundlich bin, haben doch die Kerle nicht das Recht auf sexuelle Übergriffe. Ich bin die, die nichts auf die Reihe kriegt. Die, die nie lange in einem Job war. Hat mal wer gefragt warum nicht? Nein, ich war doch nur zu faul zum Arbeiten. Jetzt mache ich doch auch nur krank. Ich bin jetzt 41 Jahre und habe weiß Gott so viele Sch**** mit Männern erlebt und bin immer noch die, über die geurteilt wird und die, die nur zu faul zum Arbeiten ist.

Hat mal einer gefragt warum? Nein.
Versteht es irgendeiner meiner Kollegen, Freunde? Nein.

Zumindest habe ich nicht das Gefühl. Es will ja auch keiner wirklich wissen, dann kann ja keiner mehr schlecht über mich reden. Alles was ich jemals wollte, ist gemocht und respektiert werden – so wie ich bin und ohne mich verstellen zu müssen. In dieser Gesellschaft muss man sich aber verstellen, wenn man akzeptiert werden will. Ich bin nicht so ein Mensch. Vielleicht liegt es, an meinem falschen, antrainierten Verhalten, welches ich mir damals angeeignet habe. Ich gucke mir eine ganze Weile etwas an, aber irgendwann muss ich dann was sagen und das mögen viele nicht. Ich kann aber nicht so sein, wie andere. Lästern über alles und jeden. Das will ich nicht, denn ich weiß wie es ist und wie es sich anfühlt ausgegrenzt zu werden.

Nur damit ich dazu gehöre, dann so zu sein?

Nein, dann bleibe ich lieber weiter für mich. Das ist zwar auch nicht immer toll, aber damit lebe ich besser. Ich habe Dinge erlebt/gesehen, die würde ich, meinem schlimmstem Feind nicht wünschen. Für einige mag das hier ein Jammerlied sein, aber ich habe so lange geschwiegen und dass ich das jetzt schreibe, bedeutet wohl ein weiterer, kleiner Schritt – nicht für die Menschheit, aber für MICH.

Denn um MICH geht es ja.

Ich bin zusammengebrochen, weil ich all die Jahre schweige. Alles in mich hinein fresse und alles mit mir selbst ausmachen will. Ich habe zwar noch nicht den Mund aufgemacht wo es notwendig wäre, aber ich habe es jetzt rausgelassen. Gerade bin ich zittrig, aufgewühlt, schweißgebadet, aufgeregt und ängstlich. Warum? Wieder diese Fragen, die aufkommen. Soll ich das machen, soll ich das schreiben? Mir glaubt doch eh keiner. Immer diese Selbstzweifel, diese Negativität die mich mein Leben lang begleiten. So viel Fragen, so viele Gedanken, die mich jeden verdammten Tag beschäftigen.

Mittler weile weiß ich ja, dass ich damit nicht allein auf dieser Welt bin.

Es gibt so viele, die ähnliches oder eben auch genau das erleben oder erlebt haben.

Aber warum schweigen wir immer noch?

Warum kann ich mich nicht wehren?

Weshalb bin ich jedes Mal wie erstarrt, wenn mir ein Kerl zu nah kommt?

Liegt es daran, dass ich mit dem Machtmissbrauch durch Männer groß geworden bin?

Es war ja nicht nur mein Vater so.

Er hatte ja auch Saufkumpanen, die auch im Suff ihre Frauen windelweich geprügelt haben. Ich weiß das mein Verhalten falsch ist, aber sobald ich in so eine Situation komme, erstarre ich, habe Angst und kann nichts mehr sagen oder machen. Vielleicht denke ich auch, dass das so sein muss. Die Männer haben die Macht, ich kenne es ja nicht anders. Scheinbar denke ich auch nicht ganz falsch. Es wird ja einen Grund geben, weshalb so viele Frauen nichts sagen und immer schweigen. Ich für meinen Teil, habe Angst. Angst das mir niemand glaubt, Angst vor blöden Sprüchen. Man hört es ja immer wieder „sie hat es doch gewollt“. Na klar, wir Frauen sind dazu da, dass jeder Mann egal wann, sich an ihr ergötzen kann, egal ob sie es will oder nicht. Ich weiß, dass es so nicht ist, aber es kommt einem doch so vor.

Warum sonst geben wir uns denn immer selbst die Schuld?
Wieso rede ich mir immer ein, dass es meine Schuld ist?
Ich weiß gerade nicht,

ob ich das jemals alles aufarbeiten kann und mein Verhalten jemals so ändern kann, dass ich mutig und selbstbewusst bin. An manchen Tag ist das alles so schwer für mich. Ich weiß nicht, ob ich irgendwann wieder in der Lage sein werde unter Menschen zu gehen, ohne zu denken, die mögen mich nicht. Oder die verurteilen mich sowieso. So blöd wie das klingt, aber Menschen/Männer, mag ich einfach nicht mehr. Sie haben mir zu viel angetan und ich will nur noch weit weg von ihnen sein.

Das ist falsch,

dass weiß ich, aber ich denke ich habe mir lange genug zu viel gefallen lassen. Da möchte ich meine verbliebenen Jahre, mit viel harter Arbeit noch das Beste daraus machen. Ich denke das habe ich verdient. Es wird nicht einfach, da es immer noch zu viele Faktoren gibt, die Menschen wie uns nicht verstehen oder verstehen wollen und uns somit das Leben viel schwerer machen, als es sein müsste.

In diesem Sinne, ist mein Kopf jetzt frei und ich bitte alle

Mädels und Frauen da draußen, hört auf mit Schweigen! Redet, schreibt, aber lasst es raus. Schweigen tut uns auf Dauer nicht gut, ich musste das auf die harte Tour lernen. Irgendwann geht es nicht mehr, irgendwann gibt der Körper auf.

Wir haben es NICHT verdient so behandelt zu werden, egal woher wir kommen, egal wer unsere Eltern sind/waren.

Wir Frauen haben ein Recht darauf, mit Respekt behandelt zu werden und GEMEINSAM SIND WIR STARK.

Also lasst uns gemeinsam stark sein!😘💓

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