medizinischer Dienst der Krankenversicherung
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Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)

MDK – Die Zweite

Es ist Montag und der Tag ist von vielen Menschen verhasst. Bei mir war es heute allerdings ein Horrormontag. So etwas habe ich schon sehr lange nicht erlebt. Für jeden Menschen mit psychischen Problemen, war das heute ein Schlag ins Gesicht.

Ich fange am besten mal von vorne an.

Anfang Oktober hatten meine Mäuse und mein Mann Ferien/Urlaub und ich hatte mich mal wieder richtig drauf gefreut. Dann erreichte mich ein Brief der Krankenkasse. Wieder eine Einladung zum medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Na toll, die ganze Freude war dahin und der Urlaub war für mich gelaufen. Ich habe zwar versucht, es beiseite zu schieben, aber wie das so ist, wenn der Kopf ständig am rattern ist, habe ich das nicht wirklich geschafft.

Ab Mittwoch wurde es dann richtig schlimm.

Ständig die Gedanken. Was ist, wenn sie mich gesundschreiben, mich wieder losschicken und und und.  In meinem Beitrag 48 Tage Pool Bau, MDK, Notaufnahme, Ärzte usw. Teil 1 hatte ich vom ersten Termin beim medizinischen Dienst berichtet und geschrieben, es wäre nicht schlimm und man soll sich nicht verrückt machen. Diesmal fühlte es sich aber anders an. Ich hatte ein komisches Gefühl und konnte die Gedanken nicht abstellen. Ständig schrieb ich in mein Handy was ich sagen will, meine Gedanken, was mich beschäftigt.

Dann war auch schon Sonntag und mir ging es immer schlechter.

Der Kopf ging gar nicht mehr aus. Nachts um halb drei zwang ich mich ins Bett zu gehen. Der Wecker sollte halb sechs wieder klingeln, da ich um acht Uhr den Termin hatte. Ich lag zwar im Bett, aber von Schlaf kann keine Rede sein. Ich wälzte mich ständig hin und her und meine Gedanken rasten. Dann klingelte endlich der Wecker und ich konnte wieder aufstehen. Ich machte mich fertig und viertel vor sieben fuhren mein Mann und ich los. Er begleitet mich bei sowas immer und ich muss ehrlich sagen, heute war ich so dankbar dafür. Ganz ehrlich, wäre er nicht bei mir gewesen, weiß ich nicht was passiert wäre.

Ich fand den Termin von vornherein blöd,

weil um die Zeit der Berufsverkehr in vollem Gange ist und wir ohne den, schon eine Stunde bis dahinfahren. Hinzu kam, dass es heute noch extrem neblig war. Mit ein paar Minuten Verspätung kamen wir an. An der Anmeldung sagte ich, dass ich einen Termin hätte. Sie verwies uns auf den Wartebereich. Das ist anders, dachte ich. Letztes Mal, wurde ich zur anderen Seite geschickt. Wir setzten uns und eine Bürotür stand offen. An den Schildern stand „Gutachter“. Den Namen weiß ich leider nicht mehr. Denn die Frau von der Anmeldung ging in dieses Büro und sagte das ich da sei. Ich hörte einen unfreundlichen Ton, bemerkte das es zudem auch noch ein Mann war, der mir ohne ihn überhaupt zu sehen direkt unsympathisch war.

Ich wurde rein gerufen, sollte Platz nehmen.

Kein Vorstellen, kein Händedruck, einfach gar nichts. Als erstes wurden mir Blätter unter die Nase gelegt, wegen Datenschutz und Entbindung der Schweigepflicht. Dies sollte ich unterschreiben. Ich weiß nicht, ob das richtig war, aber ich war total verunsichert.

Wie soll ich einem Mann erklären, was ich alles erlebt hatte? EINEM MANN!!!

Die unsympathische Art zog sich durch das ganze Gespräch.

Ich wurde immer kleiner, immer ängstlicher und auch immer wütender. Da es ja wieder jemand anders war, sollte ich erzählen, weshalb ich zu Hause bin. Als ich dies tat und zum Beispiel erzählte, dass ich unter einer Angststörung leide, kam nur ein mmh von ihm. Dann wurde mir gesagt, dass man dadurch nicht arbeitsunfähig sei. Es wurde mir regelrecht befohlen, dass ich zum Arbeitsamt gehe, mich melden soll und mich in einen anderen Job vermitteln lassen soll.

Dann kam wieder die Sache

mit einer Tagesklinik oder Reha. Ich versuchte ihm zu erklären, warum dies nicht geht. Aber das wollte er nicht hören. Es hieß nur, andere schaffen das auch, mit Kindern, Job oder Reha beziehungsweise Tagesklinik. Bin ich andere? Ich habe mir solang eingeredet, ich bin nicht krank. Andere Frauen bekommen auch alles unter einen Hut. Bis ich dann den Zusammenbruch hatte. Es hat ihn nicht interessiert. Allgemein hat es ihn in keiner Weise interessiert, was ich zu sagen hatte. Ich wurde ständig unterbrochen. Als hätte er meine Akte überhaupt nicht gelesen. Ich wurde immer kleiner auf meinem Stuhl.

Dann wurden mir Fragen gestellt:

Wie lange sind sie zur Schule gegangen?

Was haben sie gelernt und wie lange?

Als was sind sie jetzt angestellt?

Rauchen oder Trinken sie?

Erbliche Krankheiten/ Vorgeschichten wie Krebs, Herz oder Abhängigkeiten wie Drogen oder Alkohol?

Haben sie Allergien, wenn ja welche?

Ich habe diese Fragen alle wahrheitsgemäß beantwortet. Als ich aber sagte, dass meine Eltern beide alkoholabhängig waren, war ich verurteilt. Eltern saufen, also säuft sie auch. Da konnte ja nichts Gescheites bei rauskommen.

Ich habe ja auch versucht,

über die Probleme die ich in meinem Leben mit Männern hatte zu reden. Die Belästigung am Arbeitsplatz. Es kam nur die Frage, ob ich diejenigen angezeigt hätte. Diese Frage verneinte ich und versuchte es auch zu begründen. Eben, dass mir noch nie einer geglaubt hat und dass man dann irgendwann aufgibt. Er tat es wieder mit nur einem Geräusch ab. Meine Enttäuschung, meine Wut über diese Person stieg immer weiter. Egal was ich versuchte, -ich sage mit Absicht versuchte-, er schmetterte es ab. Ich konnte meine Sätze nicht beenden, geschweige denn irgendwas richtig erklären. Im Gegenteil, er wollte mir immer nur befehlen, was ich gefälligst zu tun habe. In sechs Monaten läuft das Krankengeld aus, was denn dann werden soll? Seine Worte.

Ich wurde noch gemessen und gewogen.

Mein Blutdruck wurde gemessen, der natürlich viel zu hoch war. Da wurde ich dann gefragt, ob ich aufgeregt sei. Meine Antwort wollte er gar nicht hören. Er hörte mich ab und schon wurde ich als Starkraucher verurteilt. Sein genauer Wortlaut: „Von wegen zehn Zigaretten, mindestens 15 bis zu ner Schachtel.“ Ich verneinte dies zwar, aber er glaubte mir nicht. Weiterhin hieß es, ich solle meinen Beschwerden behandeln lassen. Alles in einem Befehlston, sodass man wirklich Angst hat, dass wen man dies nicht tut, wird mir zum Beispiel das Krankengeld gestrichen.

Ich war nur zehn bis fünfzehn Minuten in diesem Raum.

In diesen Minuten, wurde ich als faul, zu fett und zu nichts nutze verurteilt. Ich fühlte mich wieder, wie das Mädchen von früher. Hilflos, verängstigt und vor allem, dass Männer immer Macht über die Frauen haben. Maximal fünfzehn Minuten, beurteilt dich ein Mensch, der deine Geschichte nicht kennt, der dich nicht kennt, der höchstwahrscheinlich sich nicht mal die Mühe gemacht hat, deine Akte zu lesen. Fünfzehn Minuten und du fühlst dich wie ein Stück Dreck. Alle gemachten Fortschritte, die ich dachte gemacht zu haben, waren/sind weg. Ich habe immer noch Angst vor Männern, kann mich immer noch nicht wehren.

Achtung Triggerwarnung/ Suizidgedanken!

Heute Morgen fühlte ich mich so mies, so unverstanden. Ganz ehrlich, wäre mein Mann nicht dabei gewesen, weiß ich nicht, was ich getan hätte. Seit ich krank bin, war ich noch nie an dem Punkt, mein Leben zu beenden. Wäre ich heute alleine gewesen, wäre der Punkt da gewesen. Dieser Mensch/Gutachter hat meines Erachtens überhaupt keine Ahnung, was psychische Erkrankungen sind, beziehungsweise wie man damit umgeht. Das war ein Schlag ins Gesicht.

Ich habe wieder gemerkt,

dass dieses Thema nicht ernst genommen und verstanden wird. Die Menschen werden einfach nur verurteilt und das in nicht mal 15 Minuten. Ich frage mich die ganze Zeit, wie es Leuten heute nach diesem Gespräch ergangen wäre, denen es noch schlechter geht. Die ständig mit Suizidgedanken zu kämpfen haben und eventuell noch allein hingegangen wären. Dieser Mensch, beim MDK hat absolut null Gefühl und Verständnis für Menschen mit psychischen Problemen. Da kann nach so einem Gespräch alles aus den Fugen geraten. Auch wenn man einen Partner und Familie hat. Wenn man nach so einem Gespräch, da raus geht, kann das gefährlich werden, wenn so mit kranken Menschen umgegangen wird.

Man ist so fertig, fühlt sich so elend, dass man Partner und Familie vergisst. Man glaubt, dass man so ein schlechter Mensch ist, der keinen Platz auf dieser Welt verdient hat.
Ich fühle mich immer noch schlecht,

minderwertig und wie gesagt, gefühlt sind alle Erfolge, die ich dachte gemacht zu haben dahin. Es ist einfach alles weg. Ich bin minderwertig, ich bin dumm, ich kann nichts und keiner will mich oder kann mich gebrauchen. All das „Lebe wie du es willst und glücklich dabei bist“ oder „Es ist dein Leben, also triff deinen eigenen Entscheidungen“ ist weg. Es ist scheinbar doch alles eine Lüge. Denn du MUSST ja das machen, was dir gesagt wird und nicht wie du es möchtest. Andere haben schon immer über mein Leben entschieden und wie es scheint komme ich da nicht raus. Auch wenn ich es noch so sehr will. Da muss ich jetzt erstmal wieder raus. Am Mittwoch habe ich Gott sei Dank Therapiestunde.

Ich habe jetzt wieder zu kämpfen.

Wie ergeht es euch bei solchen Terminen? Habt ihr auch schlechte Erfahrungen gemacht? Es wäre wirklich toll, wenn ich Rückmeldungen von euch bekomme.

Ich freu mich drauf und ich werde weiterkämpfen und nicht aufgeben, auch wenn es gerade wieder sehr schwerfällt.

2 Kommentare

  • Chaosmeise

    Ojeh, das erinnert mich an meinen Termin beim MDK 2010. Beim Thema Missbrauch ist er auch dagesessen mit gelangweilter Miene und mmh.
    Im Brief stand dann, dass ich rumgedruchst hätte um Mitleid zu erregen. Natürlich nicht so im Wortlaut. Aber haben diese Männer eine Ahnung, was das mit einem macht?

    • FrozenIni

      Hallo,
      nein haben die nicht, so kam es mir zumindest vor. Ich bin mal gespannt was dabei raus kommt, aber bestimmt nichts gutes. Was man so liest und hört, macht der MDK ja dauernd so einen Mist und man kann scheinbar nichts dagegen tun. Selbst die Ärzte stellen sich ja nicht gegen den MDK, mal sehen wie meine nächste Woche drauf ist.

      Vielen lieben Dank❤️für deinen Kommentar, dass hat mich sehr gefreut😉. Wie ist es danach denn bei dir weiter gegangen, wenn ich fragen darf?

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