Die Wende - 30 Jahre ist es nun schon her
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Die Wende – 30 Jahre ist es nun schon her

Vor ein paar Tagen

hatten wir ja den „Tag der Deutschen Einheit“. Da ich ja ein Ossi bin, ist der Tag für mich immer etwas Besonderes. Denn auch, wenn ich zu dem Zeitpunkt erst 11 war, muss ich doch jetzt im Nachhinein zugeben, dass ich wahrscheinlich auch versucht hätte zu flüchten, wäre ich älter gewesen. Die Wende – 30 Jahre ist nun schon her.

Ja warum sag ich sowas?

Mir hat es ja damals an nichts gefehlt, sag ich jetzt mal so. Wir hatten immer zu essen, wir hatten Geld, wir hatten ein Auto und ein Haus. Es war damals nie die Rede davon, dass das Geld knapp war. Zumal ich sagen muss, dass mein Vater wohl damals für DDR- Verhältnisse recht gut verdient hat. Mir hat es so gesehen eigentlich an nichts gefehlt. Es gab Eis, es gab Cola und Limo (Brause) in 0,33 l Flaschen, Joghurt in der Flasche, der soooo lecker war und den ich seitdem nie wiedergesehen habe. Zu Geburtstagen oder Feierlichkeiten gab es immer Kuchen und Torten vom Bäcker, kann man heute gar nicht mehr bezahlen. Es gab immer frisches Brot und Brötchen, alles vom Bäcker. Geh mal heute zum Bäcker und kauf dir mal nen Käsebrötchen, da wird dir schwindelig, wenn du das umrechnest. Die Wende – 30 Jahre ist es nun schon her.

Ich muss ja sagen,

dass ich die von der Sorte bin, die die Euros immer noch in DM umrechnet. Das ist ja schon Wahnsinn, wenn ich das jetzt noch in Ostmark umrechne. HILFE, aber lassen wir das, das geht zu weit.

Meine Erfahrungen waren eigentlich gut.

Wie gesagt, ich war erst elf. Mir war es damals nicht wirklich bewusst, was da so los ist und von statten geht. Ich war ein Jungpionier (blaues Halstuch) und ein Thälmannpionier (rotes Halstuch). Auf die blaue FDJ Bluse hatte ich mich so gefreut, aber die habe ich nicht mehr bekommen. Es gab Fahnenapelle, Pioniernachmittage, Wertstoffsammlungen und vieles mehr. Am ersten Mai wurde immer mit der Schule marschiert. Habe ich nie hinterfragt, es wurde gemacht. Denn es machten ja alle so. In jedem Klassenzimmer hing ein Bild von Erich Honecker und soweit ich mich erinnere eines von Ernst Thälmann. Montags war es Pflicht, die Pionierbluse und das Halstuch zu tragen. In der Klasse standen alle stramm und gaben den Pioniergruß von sich. Na wer kennt ihn noch? „Seid bereit, immer bereit“. Wahnsinn, wenn man so darüber nachdenkt. Die Wende – 30 Jahre ist es nun schon her.

Vermisst habe ich persönlich nichts,

denn ich kannte es ja nicht anders. Außer man hat mal Westfernsehen geguckt oder Westpakete kamen an. Da hat man dann schon so einige Dinge gesehen, die man gerne hätte. Scheiblettenkäse, den hatten wir immer in den Westpaketen und ich habe ihn geliebt und genossen. Denn Sachen aus dem Westen, waren etwas ganz Besonderes. Was war noch drin? Ja Kaffee für die Großen, Milka Schokolade oder Kinderschokolade und natürlich Haribo. Außerdem Klamotten, wie Mickie Mouse Pullover und all so Sachen. Ich habe damals immer nur Westsachen getragen, auch wenn man es gar nicht durfte. Genau wie Süßigkeiten aus dem Westen mit in die Schule nehmen, geschweige denn Westfernsehen gucken. Bei solchen Sachen habe ich damals immer gedacht, warum darf ich das nicht. Hab es aber trotzdem nie wirklich hinterfragt.

Die Wende – 30 Jahre ist es nun schon her

Genau wie das ewige Bananen und Orangen holen anstehen. Leute, heute schmeißen wir die Bananen weg, die wir damals bekommen haben. Das ist doch Wahnsinn oder? Aber gefreut haben wir uns trotzdem darauf, jedes Mal und ich habe es genossen. Welchen Wert haben denn Bananen und Orangen (Apfelsinen) jetzt noch? Keinen, es ist alles selbstverständlich. So krass, wenn ich das meinen Kindern erzähle, gucken die mich immer doof an und denken ich würde sie veralbern.

Der Opa von unseren Nachbarsfreund,

-liebe Grüße gehen raus an M. 😉-

hat damals in einem Rasthof gearbeitet und kam dadurch auch immer an Westsachen ran. Er hat zu Weihnachten auch immer an uns gedacht, es gab Süßes oder auch mal einen Monchichi. Kennt ihr diese kleinen süßen Dinger noch? Ich habe meinen immer noch und ich bin jetzt 42 und der ist noch ganz. Für mich waren die Besuche bei dem Opa von meinem Freund auch immer etwas ganz Besonderes und ab und an war ich sogar etwas neidisch darauf. Oh je, ich muss grade an „Inter Shop“ denken. Dort konnte man Westsachen kaufen, wenn man denn die nötige Währung besaß. Delikatläden, Kaufhalle, HO, Konsum und wie sie alle hießen.

So war es aber.

Wer kennt es, wer kann sich erinnern? Es war doch auch schön oder, also ich fand es in dem Alter damals auch schön. Wie gesagt man kannte es ja nicht anders und als Kind hast du nicht viel mitbekommen, dass du diese und jene Dinge nicht darfst und aufpassen musst was du sagst. So ist zumindest meine Erinnerung. Frischen Käsekuchen vom Bäcker, mit Omi geholt. Die Rosinen raus gepult. Keiner der gesagt hat, nein dafür haben wir kein Geld oder das machen wir das nächste Mal. Meine Oma hatte Geld, meine Eltern hatten Geld, es gab nie finanzielle Probleme. Wir konnten wegfahren, auch mit der Schule, im Sommer ins Ferienlager nach Pepelow. Na kennt es wer? Ich war zum Beispiel auch mal in Polen. Soweit ich mich erinnere, war das irgendwie eine Auszeichnung von der Schule. Das war auch was Besonderes. Ich weiß nicht, aber damals hat man so kleine Dinge viel mehr zu schätzen gewusst. Die Wende – 30 Jahre ist es nun schon her.

Krass, an was man sich alles so erinnert,

wenn man erstmal hier sitzt und schreibt. Ich bin ja auf dem Land, in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Wir hatten ein Haus und einen Riesen Garten. Dadurch wurde immer viel zu viel geerntet. Ja, vieles wurde eingekocht, aber zu DDR-Zeiten war es so, dass man diese Sachen auch alle abgeben konnte und man hat Geld dafür bekommen. Ich erinnere mich, dass ich immer mit meiner Oma und Handwagen los bin. Auf diesem Hof, saß hinten in einem der Ställe immer eine alte Frau, die mir immer wahnsinnige Angst machte. Denn man hat meistens nur ihren Schatten gesehen und das war für mich als Kind gruselig.

Dann so für mich typisch DDR,

man hatte überall Onkel und Tanten. Es war nur ein Nachbar, aber er wurde immer Onkel oder Tante sowieso geschimpft. Ich weiß gar nicht, ob das im Westen auch so war. Die Wende – 30 Jahre ist es nun schon her. 30 Jahre, wo sind die hin? Man bin ich schon alt. Ich bin noch Made in GDR, groß geworden ohne Handys. Allgemein Telefon gab es ja in der DDR auch nicht für alle. Gefehlt hat es mir nicht, denn ich weiß ich wiederhole mich, aber ich kannte es ja nicht anders. Es war schon ein Highlight von Schwarzweiß Fernsehen später auf Bunt Fernsehen. Nur drei Fernsehsender gab es und heute, kann man sich gar nicht entscheiden, was man denn alles gucken soll.

Ja ich weiß,

klingt als würde ich dem hinterher trauern. Nein so ist es nicht, aber es war doch trotzdem eine schöne Zeit. Handys kamen ja erst irgendwann mit der Wende, soweit ich mich erinnere, aber wie schön war es doch auch ohne Handys und stellt euch vor, wir haben das überlebt. Wir haben damals Briefe geschrieben, telefoniert in einer Telefonzelle. Unsere Kinder fragen, was ist eine Telefonzelle? Ich muss dabei immer lachen und frage mich manchmal auch, ob ich wirklich schon so alt bin. HILFE, aber ja. Ich kenne Zeiten aus dem Osten, die Anfänge des Westens, die Anfänge des Handys, Musik- und Videokassetten. Vor dem Radio sitzen, um Lieder aufzunehmen und dann fluchen, wenn der Moderator dazwischen sabbelt. Ja ich weiß, dass kennen auch Wessis.

Die Wende – 30 Jahre ist es nun schon her.

Krass, was sich alles so verändert hat. 45 Jahre war Deutschland getrennt, jetzt sind wir seit 30 Jahren wiedervereint und ich fühle mich manchmal wie meine Oma damals, als sie vom Krieg erzählt hat. So wie meine Kinder mich manchmal ungläubig ansehen, so habe ich wohl damals meine Omas angesehen.

Oh je ihr Lieben,

ich bin noch gar nicht fertig und habe schon soviel geschrieben. Egal, dann teile ich es einfach in zwei Teile. Kam dann doch noch einiges an Erinnerungen zusammen. Ich möchte ja noch ganz gern schreiben, wie ich die Wende damals erlebt habe.

Schreibt mir bitte,

wie es euch damals ging, egal ob Ossi oder Wessi. Ich für meinen Teil bin auch immer sehr an den Gedanken und Geschichten der Wessis interessiert, wie sie das empfunden haben. Das Wort Wessi meine ich nicht böse, ich bin seit über 18 Jahren und im Dezember 15 Jahre mit einem verheiratet. Also nehmt es mir nicht krumm, so kann ich es aber besser unterscheiden. Also schreibt mir eure Gedanken und Erfahrungen dazu, ich freu mich.

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